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Anfang März dieses Jahres hatten wir bereits darüber berichtet, dass mit comici MANGA eine neue internationale Plattform für digitale Manga an den Start gegangen ist. Hinter dem Dienst steht das japanische Unternehmen comici Inc., das verschiedene Manga-Magazinlabels auf einer gemeinsamen Plattform bündelt.
Das Angebot orientiert sich am klassischen Magazinprinzip und vereint Titel unterschiedlicher Publisher unter einer Oberfläche. Leser finden dort unter anderem Fantasy-, Boys-Love-, Villainess- und RomCom-Werke, darunter auch bekannte Reihen wie »Die Braut des Magiers«.
Nun hatten wir die Gelegenheit, mit Daisaku Manda, dem CEO von comici MANGA, über die Plattform, den internationalen Markt und zukünftige Pläne zu sprechen.
Interview mit Daisaku Manda
Hallo Daisaku Manda, vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Gespräch mit Manga2You nimmst. Viele unserer Leserinnen und Leser sind möglicherweise noch nicht mit deiner Arbeit vertraut. Würdest du dich zum Einstieg kurz vorstellen und uns etwas über deinen beruflichen Werdegang erzählen?
Mein Name ist Daisaku Manda und ich bin Gründer und CEO von comici. Meine berufliche Laufbahn begann in der IT-Branche, aber ich hatte schon immer eine tiefe Verbindung zu Manga. Ich bin im ländlichen Japan mit Manga-Magazinen aufgewachsen und diese Erfahrung hat meine Sicht auf Geschichten und deren Verbreitung geprägt.
Mit comici wollte ich eine Infrastruktur für die Manga-Industrie schaffen – nicht nur zur Distribution von Inhalten, sondern auch um Mangaka, Verlage und Leserinnen und Leser durch engere Interaktionen zu unterstützen.
Vor Kurzem ist eure neue internationale Plattform comici MANGA offiziell gestartet. Eines eurer erklärten Ziele ist es, Mangaka, Verlage und Leserinnen und Leser enger miteinander zu vernetzen, japanische Kultur weltweit zugänglicher zu machen und zugleich wertvolle Erkenntnisse für die Branche zu gewinnen. Wodurch unterscheidet sich comici MANGA dabei konkret von anderen internationalen Manga-Plattformen?
Was comici MANGA besonders macht, ist unser zeitgleicher Fokus auf Distribution und Infrastruktur. Die meisten Plattformen konzentrieren sich darauf, Inhalte an Leserinnen und Leser zu liefern. Wir gehen einen Schritt weiter, indem wir Mangaka, Verlage und Daten innerhalb eines Systems miteinander verknüpfen.
In der Praxis bedeutet das nicht nur, einen Ort zum Lesen von Manga anzubieten, sondern Verlagen auch dabei zu helfen, globale Zielgruppen besser zu verstehen und fundiertere Entscheidungen zu treffen. Unser Ziel ist es, ein langfristiges Ökosystem aufzubauen – nicht nur eine reine Content-Plattform.
In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Webtoon-Plattformen entstanden, die – anders als viele klassische Manga-Angebote – auch in Europa problemlos verfügbar sind. Während der Manga-Markt hierzulande nach wie vor stark vom Printbereich geprägt ist und digitale Angebote oft eher eine ergänzende Rolle spielen, wurden Webtoons von Anfang an für den digitalen Konsum konzipiert und entsprechend schnell angenommen, während Printausgaben meist erst später folgten. Welche Faktoren haben aus deiner Sicht zu dieser unterschiedlichen Entwicklung der digitalen Märkte für Manga und Manhwa geführt?
Der Unterschied liegt darin, wie die jeweiligen Formate ursprünglich konzipiert wurden. Webtoons wurden von Anfang an für Smartphones entwickelt und konnten sich deshalb sehr schnell an den digitalen Konsum anpassen. Manga hingegen basierten lange Zeit auf Printmagazinen, wodurch sich in Japan ein sehr starkes heimisches Ökosystem entwickelt hat.
Aus diesem Grund bestand für Manga zunächst kein Druck, sich schnell an digitale Vertriebsformen anzupassen. Die Globalisierung des Marktes hat einen Wandel herbeigeführt, sodass sich auch die digitale Distribution von Manga weiterentwickelt.

Wo siehst du das größte Potenzial von comici MANGA? Und was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Gründe, weshalb internationale Verlage in Erwägung ziehen sollten, eigene Plattformen innerhalb des comici-Ökosystems aufzubauen?
Das größte Potenzial liegt darin, fragmentierte Märkte miteinander zu verbinden. Manga sind heute zwar weltweit beliebt, doch die zugrunde liegende Infrastruktur ist nach wie vor stark nach Ländern und Verlagen aufgeteilt.
Durch den Aufbau einer gemeinsamen Plattform und Datenbasis können wir Verlagen dabei helfen, internationale Zielgruppen effizienter zu erreichen und gleichzeitig neue Titel dabei unterstützen, ihre Leserinnen und Leser zu finden.
Für Verlage bedeutet der Beitritt zum comici-Ökosystem daher nicht nur zusätzliche Distributionsmöglichkeiten, sondern auch wertvolle Einblicke.
Aktuell sind die Titel auf comici MANGA ausschließlich auf Englisch verfügbar. Viele unserer Leserinnen und Leser würden sich vor allem über deutsche Übersetzungen freuen. Gibt es bereits Pläne, das Angebot künftig um weitere Sprachen – insbesondere Deutsch – zu erweitern?
Ja, die Erweiterung um zusätzliche Sprachen ist für uns sehr wichtig. Wir haben mit Englisch begonnen, weil wir damit schnell ein weltweites Publikum erreichen können, aber wir ziehen aktiv weitere Sprachen in Betracht – darunter auch Deutsch.
Dabei geht es jedoch nicht nur um die reine Übersetzung. Entscheidend sind ebenso die Qualität der Lokalisierung, die Vertriebsstrategie und die Frage, wie gut das Angebot zum jeweiligen Markt passt. Deshalb möchten wir diesen Schritt mit großer Sorgfalt angehen.
Hältst du es für einen sinnvollen Ansatz, wenn sich beispielsweise deutsche Verlage zusammenschließen und mit Unterstützung eures Unternehmens eine gemeinsame Onlineplattform für Manga auf Basis eines Abomodells aufbauen würden – gewissermaßen eine deutschsprachige Version von comici MANGA?
Ja, ich halte das für einen sehr interessanten und praktikablen Ansatz. In Japan wurden Manga traditionell über gemeinsame Plattformen wie Magazine vertrieben. Ein ähnliches Modell digital in anderen Regionen umzusetzen, könnte großes Potenzial haben.
Wenn Verlage bei der Infrastruktur zusammenarbeiten und gleichzeitig ihre eigene redaktionelle Identität bewahren, kann das sowohl Effizienz als auch Vielfalt fördern.

Für die englischen Veröffentlichungen setzt comici MANGA teilweise auf Künstliche Intelligenz. Gerade in Deutschland wird der Einsatz von KI in diesem Bereich oft kritisch gesehen – insbesondere aufgrund der Sorge, dass dadurch die Rolle menschlicher Übersetzer geschwächt wird und sprachliche Nuancen, kulturelle Kontexte sowie die Qualität der Lokalisierung verloren gehen könnten.
Gleichzeitig setzt ihr bewusst auf diese Technologie, um schneller zu wachsen, das System weiterzuentwickeln und international zu expandieren. Geht ein starker Fokus auf Wachstum und Effizienz aus deiner Sicht zwangsläufig mit gewissen Kompromissen einher? Und in welchem Maße könnten internationale Plattformen auch Risiken für japanische oder lokale Verlage darstellen?
Es gibt dabei immer gewisse Zielkonflikte, aber ich glaube nicht, dass man die Situation als simples »Entweder-oder« betrachten kann. KI kann Geschwindigkeit und Skalierbarkeit zwar erheblich verbessern, doch Qualität bleibt nach wie vor entscheidend.
Unser Ansatz besteht darin, KI als unterstützendes Werkzeug einzusetzen – nicht als Ersatz für menschliche Expertise. Wir glauben, dass die Zukunft in der Verbindung von Technologie mit menschlicher Kreativität und redaktionellem Urteilsvermögen liegt.
Ein zentraler Bestandteil eurer Plattform ist die Sammlung und Auswertung von Nutzerdaten, um Entscheidungen über Serialisierungen stärker datenbasiert und weniger abhängig von der Intuition von Redakteuren und Verlagen zu treffen. Gleichzeitig betont ihr, dass dieser Ansatz auch Nischentiteln dabei helfen könne, leichter ihr Publikum zu finden. Siehst du darin keinen Widerspruch?
Besteht nicht die Gefahr, dass Nischentitel auf Grundlage solcher Daten von Anfang an benachteiligt oder schneller eingestellt werden könnten? Und nehmen quantitative Kennzahlen aus deiner Sicht letztlich einen höheren Stellenwert ein als jahrelange redaktionelle Erfahrung?
Ich sehe darin keinen Widerspruch, sondern vielmehr eine Chance. Daten können dabei helfen, Nischentitel sichtbar zu machen, die andernfalls möglicherweise übersehen würden. Gleichzeitig ist es wichtig, sich nicht ausschließlich auf kurzfristige Kennzahlen zu verlassen.
Redaktionelle Erfahrung bleibt essenziell – insbesondere, wenn es um langfristige Wertschöpfung geht. Unser Ziel ist es, beides miteinander zu verbinden: Daten für Sichtbarkeit und Redakteure für die kreative Vision.
Für viele Leser geht die Faszination von Manga über das reine Lesen hinaus und schließt auch den Austausch mit einer gleichgesinnten Community ein. Gerade eine internationale Plattform hat das Potenzial, starke Communities zu fördern und weltweite Interaktion zu ermöglichen. Dennoch bietet eure Website derzeit weder eine Kommentarfunktion noch ein Forum. Geht dadurch nicht ein wichtiger Aspekt des Mediums verloren? Und was waren die Gründe dafür, zunächst auf solche Community-Funktionen zu verzichten?
Community ist sehr wichtig, aber dabei kommt es auch auf den richtigen Zeitpunkt und die richtige Gestaltung an. Wir haben uns bewusst zunächst auf das Kernerlebnis konzentriert – also auf Inhalte und deren Entdeckung.
Community-Funktionen werden später folgen, allerdings möchten wir sie sorgfältig gestalten, damit sie das Nutzungserlebnis tatsächlich bereichern und nicht einfach nur zusätzlichen Lärm erzeugen.

Ist es aus deiner Sicht unvermeidlich, dass physische und digitale Veröffentlichungen zunehmend miteinander verschmelzen? Oder können Printausgaben und Onlineplattformen langfristig nebeneinander bestehen? Wie beurteilst du in diesem Zusammenhang die Zukunft von Printmedien und E-Books – erwartest du ein dauerhaftes Nebeneinander oder wird sich der Markt letztlich vollständig in Richtung digitaler Plattformen entwickeln?
Ich glaube, dass Print und digitale Angebote auch künftig nebeneinander bestehen werden. Sie erfüllen unterschiedliche Funktionen: Print bietet ein physisches und sammelbares Erlebnis, während digitale Formate vor allem Zugänglichkeit und Reichweite ermöglichen. Anstatt sich gegenseitig zu ersetzen, werden sie sich langfristig wahrscheinlich eher ergänzen.
Der steigende Medienkonsum von Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird immer wieder kritisch diskutiert. Eine weitere Verlagerung von Manga in den digitalen Raum dürfte daher nicht überall auf Zustimmung stoßen. Siehst du es ebenfalls kritisch, ein Medium, das traditionell stark im Printbereich verwurzelt ist, zunehmend in Apps und auf Bildschirme zu verlagern – insbesondere vor dem Hintergrund ohnehin steigender Bildschirmzeiten?
Ich verstehe diese Sorge, sehe die Entwicklung jedoch nicht ausschließlich negativ. Digitale Plattformen können Manga zugänglicher machen – insbesondere für neue Zielgruppen, die sonst möglicherweise keinen Zugang dazu hätten. Entscheidend ist aus meiner Sicht die Balance: Es geht nicht darum, Print zu ersetzen, sondern den Zugang zu erweitern.
Du bist in einer ländlichen Gegend in Kumamoto am Fuße des Aso-Vulkans aufgewachsen – umgeben von Manga-Magazinen und viel Natur – bevor du später eine Karriere in der IT-Branche eingeschlagen hast. Vermisst du manchmal diese einfachere und entschleunigte Zeit – die Ruhe des Landlebens, das langsamere Tempo und auch das bewusste Offline-Sein?
Ja, darüber denke ich manchmal nach. In einer ruhigen Umgebung aufzuwachsen und Zeit zum Lesen und Nachdenken zu haben, war für mich sehr wertvoll. Diese Erfahrung hat auch meine Beziehung zu Manga geprägt.
Bis heute achte ich darauf, etwa einmal im Monat in den Bergen zu campen. Das ist für mich eine Möglichkeit, Abstand vom digitalen Alltag zu gewinnen und neue Energie zu tanken. In gewisser Weise versuche ich also auch heute noch, diese Balance zwischen Online- und Offlineleben zu bewahren.

Wenn du einen Manga noch einmal zum allerersten Mal lesen und komplett neu entdecken könntest – welcher wäre das?
Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich die Werke von Osamu Tezuka wählen. Dabei geht es mir weniger um einen einzelnen Titel, sondern vielmehr darum, noch einmal seine Art des Erzählens zum ersten Mal erleben zu können – dieses Gefühl der Entdeckung, die emotionale Tiefe und die Art, wie er das Fundament des Manga geformt hat.
Diese frühen Begegnungen bleiben einem im Gedächtnis und haben mich in vielerlei Hinsicht überhaupt erst dazu inspiriert, in dieser Branche tätig zu werden.
Zum Abschluss: Wenn wir dir einen Wunsch erfüllen und eine Figur deiner Wahl aus einem Manga in die reale Welt holen könnten – für welchen Charakter würdest du dich entscheiden?
Das ist eine schwierige Frage. Anstatt mich für eine bestimmte Figur zu entscheiden, faszinieren mich eher die Werte, die solche Charaktere verkörpern.
Ich persönlich fühle mich Gedanken verbunden, die vom Buddhismus geprägt sind, ebenso wie den Worten, die häufig Mahatma Gandhi zugeschrieben werden: »Lebe, als würdest du morgen sterben. Lerne, als würdest du ewig leben.«
Wenn ich etwas in die reale Welt bringen könnte, dann wäre es eine solche Haltung – der Wunsch nach Frieden, wertvolle Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen und die Welt ein kleines Stück besser zu machen.
In vielerlei Hinsicht sind das genau die Werte, die auch große Manga vermitteln.
Vielen Dank für dieses offene und aufschlussreiche Gespräch.
Vielen Dank für diese Gelegenheit. Es war mir eine Freude, unsere Gedanken mit euch teilen zu dürfen.

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Ooo das ist sehr interessant. Für mich sind englische Manga Apps überhaupt nicht interessant gerade weil die auf englisch sind wenn da was auf deutsch kommt und echt jetzt tamon drauf da man an die neueste Kapitel schwer ran kommt, hab ich nix gegen ein Abo solange es max 13€ ist oder so. Das würde ich aufjedenfall unterstützen. Auch wenn das auf deutsch kommt. Aktuell zu sein ist nochmal was ganz anderes. Ich hoffe diese. Person macht sachen auf deutsch und bringt echt jetzt tamon auf deutsch mit neueste Kapitel. Dann hat man mich garantiert mit nem Abo kann ich sagen. Gibt viel zu wenig deutsche Manga Apps. In Englisch gibst mehr als genug. Wird Zeit das sich was ändert!