Die Reise der beiden Kinder bleibt auch im zweiten Band von »The Horizon« von Gewalt, Verlust und Unsicherheit geprägt. Diesmal rücken jedoch stärker die Entscheidungen in den Vordergrund, die sie in dieser Welt treffen müssen. Unser Eindruck zum vorletzten Band der Geschichte.
Welche Entscheidung wirst du treffen?
Der Junge und das Mädchen wurden von einem rätselhaften Fremden aus den Fängen ihrer skrupellosen Entführer befreit. Er gab ihnen ein sicheres Zuhause, versorgte ihre Wunden, stillte ihren Hunger.
Doch seine Fürsorge hatte einen Preis: Über ein dichtes Netz aus Überwachungskameras sollten die Kinder die trostlose Stadt im Auge behalten und bewaffnete Eindringlinge melden. Auf jedes ihrer Worte folgten Schüsse, dann Stille.
Denn jener Mann war überzeugt, im Namen des Friedens zu handeln, für eine vermeintlich bessere Welt – doch zwang er zwei unschuldige Kinder unzählige Male, stumme Zeugen seelenloser Hinrichtungen zu werden
Aufmachung
Der deutsche Release von »The Horizon« erfolgt bei Manhwa Cult als Softcover im Format 14,8 x 21 cm. Der zweite Band weist 376 Seiten auf. Die SFX wurden retuschiert und getypesettet. Empfohlen wird die Erzählung für Leser ab achtzehn Jahren. Für die Übersetzung aus dem Koreanischen zeichnet sich Denise Hedrich (»Secret Playlist«) aus.
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Fazit
Der zweite Band von »The Horizon« setzt dort an, wo der bedrückende Auftakt aufgehört hat, rückt diesmal aber stärker moralische Entscheidungen in den Mittelpunkt. Mit dem Mann im Anzug treffen die beiden Kinder auf jemanden, der ihnen Schutz und Nahrung bietet, seinen vermeintlichen Frieden jedoch mit brutaler Konsequenz durchsetzt.
Spannend ist, wie unterschiedlich die beiden Kinder darauf reagieren. Während das Mädchen Gewalt weiterhin ablehnt, lässt sich der Junge den Umgang mit einer Schusswaffe beibringen. Selbst als er einen wehrlosen Menschen treffen soll, versucht er noch, seine eigene Grenze zu ziehen. In dieser Welt hält eine solche Haltung allerdings nicht lange stand.

JH bleibt dabei seiner schon im ersten Band starken Bildsprache treu. Manche Menschen verschwinden beinahe in groben Skizzen, während andere Figuren klarer hervortreten. Gerade bei den zahlreichen Gewaltszenen funktioniert diese Reduktion gut und verhindert, dass »The Horizon« seine Wirkung nur über möglichst drastische Bilder erzeugt.
Nach der Eskalation um den Mann im Anzug gewährt die Geschichte den Kindern zunächst etwas Ruhe, bevor die Krankheit des Jungen einen Wendepunkt setzt. Der anschließende Rückblick auf die Vergangenheit des Mädchens gehört für mich zu den stärksten Passagen des Bandes. Krankheit, Verlust und die Trennung von ihrem Vater treffen umso härter, weil JH solche Momente nicht unnötig ausschlachtet.
»The Horizon« bleibt damit eine äußerst bedrückende Geschichte, gibt seinen beiden Hauptfiguren diesmal aber noch mehr Tiefe. Besonders der Kontrast zwischen ihrem Wunsch nach Nähe und der grausamen Welt um sie herum funktioniert sehr gut. Dass der Folgeband ausgerechnet an einem offenen Punkt endet, macht den Griff zum abschließenden dritten Band entsprechend leicht.
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