In »The Horizon« (orig.: »Supyeongseon«) von JH streifen zwei Kinder in einer gefährlichen Umgebung ziellos umher. Manhwa Cult empfiehlt die dramatische Geschichte für Leser ab 18 Jahren. Wir haben uns den Auftaktband durchgelesen.
Ein Schritt nach dem anderen …
Ein verheerender Krieg hat dem Jungen alles geraubt, das ihm einst wichtig war. Ruinen ragten wie stumme Mahnmale in den Himmel, und seine Heimat glich einem Friedhof, auf dem auch seine Mutter ihre letzte Ruhe gefunden hat.
Ohne einen Blick zurück und ohne ein klares Ziel vor Augen, brach der Junge zu einer Reise ins Ungewisse auf. Er durchstreifte trostlose Landschaften und wurde Zeuge unaussprechlicher Gräuel, die der Krieg hinterlassen hatte.
Eines Tages kreuzte er zufällig den Weg eines jungen Mädchens. Instinktiv erkannten die Kinder, dass in ihrer beiden Herzen der gleiche Schmerz widerhallte. So beschlossen sie, weiterzuziehen, weiter und weiter, dem fernen Horizont entgegen …
Aufmachung
Der deutsche Release von »The Horizon« erfolgt bei Manhwa Cult als Softcover im Format 14,8 x 21 cm. Der erste Band weist 376 Seiten auf. Die SFX wurden retuschiert und getypesettet. Empfohlen wird die Erzählung für Leser ab achtzehn Jahren. Für die Übersetzung aus dem Koreanischen zeichnet sich Denise Hedrich (»Secret Playlist«) aus.
>> Hier gelangt ihr zur deutschen Leseprobe
Fazit
Mit »The Horizon« veröffentlicht Manhwa Cult eine trostlose und beklemmende Geschichte aus der Feder des Künstlers JH. Im Mittelpunkt stehen ein Junge und ein Mädchen, geprägt von Traumata, die gemeinsam ziellos durch eine leere und gefährliche Umgebung ziehen. Dabei stellen sich Begegnungen als Risiken dar, die die Kinder mal mehr, mal weniger überstehen.
Hierzulande ist Autor und Zeichner JH für seine Drama-Reihe »The Boxer«, die bei altraverse erscheint, bekannt. In seinem dreiteiligen Werk »The Horizon« schlägt er keine hoffnungsvollen Töne an. Inhaltlich bleibt der Schöpfer beim Auftakt vage. Die Ursachen der Gewalt oder die Hintergründe des Konflikts werden (erst einmal?) nicht näher erläutert.
Kleine Hoffnungsschimmer, die im Keim erstickt werden, warten auf die beiden Kinder. JH lässt schon mit Blick auf die Cover-Illustration und die ersten Seiten der Geschichte erahnen, dass harte Kost bevorsteht. Ein unangenehmes Lesegefühl zieht sich bis ans Ende des Bandes. Die Leseempfehlung ab achtzehn Jahren sowie der Hinweis zur sexualisierten Gewalt sollten beachtet werden.

JH setzt auf eine zurückhaltende Erzählweise. Dialoge sind rar gesät, vielmehr werden Atmosphäre und Emotionen verstärkt über Bilder transportiert. Ein Einblick in die Gedankenwelt der Figuren erfolgt mithilfe eines Erzählers, wenn auch spärlich. Dadurch entsteht eine Distanz, die das Geschehen verstärkt. Die Spannung leitet sich aus einem konstanten Gefühl der Unsicherheit ab.
Die Inszenierung lässt sich als gut getroffen bewerten. Im Fokus steht das Zusammenfinden der Kinder, danach richtet sich das Hauptaugenmerk auf die Gefahr eines fremdartigen Mannes, der die beiden auf ihrer Reise begleitet. Hierbei greift JH gekonnt auf, dass das Mädchen einen Gegenpol zu dem Jungen darstellt – was wiederum die Gefahrenstufe steigert.
Monotonie, Leere, Unbehagen, Gefahr – nur um einige Eindrücke zu schildern. »The Horizon« stellt keine leichte Kost dar. Unschuldige Kinder, geprägt von den Traumata des Krieges, streifen ziellos umher und klammern sich an ihr Leben. Eine Reise ohne Ziel, in dieser gefährlichen Welt? Was ist der Sinn dahinter? Ein bedrückendes Werk, das einem die Luft zum Atmen nimmt.
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