Zwischen Gegenkultur, gesellschaftlichen Unruhen und einem Leben am Existenzminimum versucht Migeru, als Mangaka Fuß zu fassen. Suehiro Maruo vermischt in »Underground« (jap.: »An Gura«) Realität, persönliche Erfahrungen und zunehmend surreale Bilder. Wir haben den bei Reprodukt erschienenen Einzelband unter die Lupe genommen.
Inhalt
Während die Stadt von gewaltsamen Aufständen erschüttert wird, fristen Sachiko und Migeru ein ärmliches Dasein im turbulenten Tokyo der 1960er-Jahre. Widerwillig setzt sich Sachiko den Gelüsten ihres Vermieters aus, um wenigstens ein Dach über dem Kopf zu haben. Migeru hingegen ist besessen von der Idee, ein berühmter Mangazeichner zu werden.
Doch auf ihrer Suche nach Liebe, Geborgenheit und dem eigenen Platz in einer chaotischen Welt geraten die beiden in einen Rausch, der Realität und Traum miteinander verschmelzen lässt …
Suehiro Maruo, Meister des Ero Guro, des erotisch-grotesken Manga, führt seine Charaktere durch die Unruhen und Umbrüche eines fiktionalisierten Japans auf dem Sprung in die Moderne.
Aufmachung
Bei Reprodukt erscheint »Underground« als Flexicover im Format 14,8 x 21 cm. Der Einzelband weist 208 auf. Die japanischen SFX wurden retuschiert und getypesettet. Übersetzt wurde der Manga aus dem Japanischen von Claudia Peter (»Der lachende Vampir«, »Midori – Das Kamelienmädchen«).
>> Hier gelangt ihr zur deutschen Leseprobe
Fazit
Bei »Underground« handelt es sich um einen Einzelband aus der Feder von Suehiro Maruo, der uns ins Tokyo der späten 1960er-Jahre führt. Die siebzehn Kapitel wurden zwischen 2021 und 2023 im »Comic Beam« von Enterbrain veröffentlicht. Die deutsche Ausgabe ist seit Dezember 2025 im Handel vorzufinden.
Zwischen gesellschaftlichen Unruhen und einem Leben am Existenzminimum versucht Migeru, als Mangaka Fuß zu fassen. Sachiko wiederum kämpft auf ihre Weise darum, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu behalten. Maruo erzählt dabei keine saubere Aufstiegsgeschichte, sondern lässt seine Figuren durch ein Tokyo stolpern, in dem Realität, Traum und immer neue Rückschläge zunehmend ineinanderlaufen.
Gerade der zeitgeschichtliche Hintergrund macht »Underground« interessant, ist ohne Vorwissen aber nicht immer leicht einzuordnen. Maruo greift reale Personen und die Gegenkultur der späten 1960er-Jahre auf und verarbeitet auch einzelne eigene Erfahrungen.

Dazu gehört auch der reale Serienmörder Norio Nagayama, über den Maruo ursprünglich sogar einen eigenen Manga zeichnen wollte. So ähnelt Migerus Weg nach Tokyo stellenweise Maruos Jugend, ohne dass der Manga deshalb als Autobiografie verstanden werden sollte.
Typisch Maruo bleibt dabei die Verbindung von präzisen Zeichnungen mit unangenehmen und grotesken Momenten. Je mehr Rückschläge Migeru erlebt, desto stärker vermischen sich Wirklichkeit und Vorstellung. Schließlich heftet sich ihm sogar ein Yōkai an den Rücken, den Maruo als eine Art Konaki-jijii beschreibt. Er steht sinnbildlich für den negativen Ballast, den Menschen mit sich herumtragen.
»Underground« fand ich wie meine bisherigen Begegnungen mit Maruo sehr interessant, auch wenn mir beim Lesen einiges an Hintergrundwissen fehlte. Vor allem die zahlreichen Bezüge zur damaligen Zeit erschließen sich nicht automatisch. Man muss sie aber auch nicht alle kennen, damit der Einzelband funktioniert – wer sich danach etwas näher mit ihnen beschäftigt, dürfte in Maruos Geschichte noch einiges mehr entdecken.
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