Inhaltshinweis: Sexualisierte Gewalt / Missbrauch, Suizid
Im Juni dieses Jahres brachte Schreiber & Leser den Einzelband »Shinju – Liebe und Verzweiflung« (jap.: »Bokutachi no Shinjū«) von Usamaru Furuya auf Deutsch heraus. Für euch haben wir einen Blick in die Geschichte geworfen und schildern nachfolgend unseren Eindruck.
»Rette mich. Begehre mich.«
Zwei junge Menschen, beide in ihren Familien belastet und unter Gleichaltrigen ausgegrenzt, nähern sich einander an. Zögernd öffnen sie sich und werden ein Liebespaar. Die Gefühle werden intensiver, sie testen die Grenzen des Erträglichen, das Mädchen Noel unterwirft sich Eishin bis zur Selbstaufgabe. Bis sie den gemeinsamen Liebestod beschließen.
Aufmachung
Der deutsche Release von »Shinju – Liebe und Verzweiflung« erfolgt bei Schreiber & Leser broschiert im Format 15 x 21 cm. Der Einzelband weist 240 Seiten auf und ist farbig. Die SFX wurden retuschiert und getypesettet. Für die Übersetzung aus dem Japanischen zeichnen sich Tsuwame und Resel Rebiersch verantwortlich.
>> Hier gelangt ihr zur deutschen Leseprobe
Fazit
»Shinju – Liebe und Verzweiflung« dreht sich um Leben, Tod und Sexualität – Themen, die Usamaru Furuya im Nachwort selbst als seine persönliche Auseinandersetzung beschreibt. Noel und Eishin wachsen beide in Verhältnissen auf, die von Gewalt und Vernachlässigung geprägt sind. Im jeweils anderen suchen sie etwas, das ihnen sonst fehlt: Nähe, Kontrolle, ein Gegengewicht zu dem, was ihnen zuhause widerfährt. Der Manga zeigt das ungeschönt.
Die Bezüge zu Dazai, Akutagawa, Mishima und Kawabata sind mehr als bloße Verweise. Diese Autoren faszinieren Noel, um ihre eigene Verzweiflung in Worte zu fassen, und der spätere Doppelselbstmord greift bewusst eine literarische Tradition auf. Wer diese Werke kennt, liest den Band mit einer zusätzlichen Ebene. Ohne diese Vorkenntnis bleibt die Anspielung eher Randnotiz.

Wie Noel und Eishin ihre Beziehung deuten – als gegenseitige Rettung, als Ausweg aus dem Erwachsenwerden, in Szenen, die zunehmend eskalieren – bildet den Kern des Bandes. Furuya urteilt dabei nicht über die beiden, er zeigt einfach, wie sich zwei traumatisierte Jugendliche gegenseitig in den Untergang ziehen.
Die Reise zum Berg Osore, die der Mangaka nach eigener Aussage selbst nachvollzogen hat, gibt dem letzten Drittel einen ruhigeren Ton. Nach der Eskalation der vorherigen Kapitel wirkt das weniger wie eine Auflösung, eher wie eine letzte Ruhephase vor dem Ende.
»Shinju – Liebe und Verzweiflung« filtert seine Themen nicht. Wer sich auf explizite Darstellungen von Missbrauch und Selbstzerstörung einlässt, bekommt eine dicht erzählte, aber schwer verdauliche Geschichte über zwei junge Menschen, die im jeweils anderen ihren einzigen Ausweg sehen.
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